Tiktok und Facebook lassen falsche Informationen zu

Veröffentlicht am 24. Oktober 2022 um 22:25

Am 8. November sind Midterm-Wahlen in den USA. Eine aktuelle Untersuchung der New York University zeigt: Trotz aller Besserungsversprechen werden Falschinformationen in Wahlanzeigen nach wie vor oft durchgewunken. Vor allem Tiktok schneidet katastrophal ab. Besonders repräsentativ ist die kleine Studie allerdings nicht. Die Ankündigungen von Tiktok, Meta und Youtube, gegen Falschinformationen und falsche politische Propaganda vorzugehen, waren und sind groß. 

Dass die Realität anders aussieht, zeigt jetzt eine Studie des gemeinnützigen Forschungszentrums "Global Witness and the Cybersecurity for Democracy" an der New York University.

Die Forschenden haben sich Dummy-Accounts bei Tiktok, Youtube und Facebook angelegt und dann versucht, über diese Accounts politische Werbung mit falschen Informationen über die Wahlen zu verbreiten. Auf englisch und spanisch.

Vor allem Tiktok fiel glatt durch: Neun von zehn eingeschleusten Anzeigen mit nachweislich falschen Infos kamen durch und wurden veröffentlicht. Und das, obwohl – anders als bei YouTube oder Facebook – politische Werbung bei Tiktok eigentlich komplett verboten ist.

Facebook kam bei der Untersuchung besser weg. Trotzdem wurden auch dort immer noch rund ein Viertel der Anzeigen mit Fake News freigeschaltet. Nur YouTube lehnte alle Anzeigen ab.

In einer Anzeige hieß es etwa, wer an den Wahlen teilnehmen wolle, müsse geimpft sein. Oder Wähler müssten zweimal wählen, damit ihre Stimme zählt. In einer anderen Fake-Anzeige stand laut CNN sogar ein falscher Wahltermin. Oder es wurde behauptet, dass das Wahlergebnis bereits feststeht oder gehackt werden könnte. Die Anzeigen richteten sich vor allem an Wählende in den sogenannten „battleground states“ Arizona, Colorado, Georgia, North Carolina und Pennsylvania.

Studie ist nicht besonders repräsentativ

Pro Plattform wurden nur zwanzig Anzeigen eingereicht. Besonders repräsentativ ist die Studie also nicht – man sollte also von der kleinen Studie nicht auf den allgemeinen Umgang der Tech-Konzerne mit politischer Werbung schließen.

Andererseits bestätigt die Studie genau das, was Expert*innen schon länger kritisieren: Dass die Regeln der Tech-Unternehmen für Wahlwerbung nicht konsequent genug umgesetzt werden oder gar nicht erst nicht ausreichen.

So liefert etwa eine Facebook-Suche nach dem Begriff "Wahlbetrug" gleich als erste Vorschläge ziemlich zweifelhafte Quellen. Die beiden Stichworte "Wahlbetrug" und "Gestohlene Wahl" landen in den Top 3 der meistgesuchten Begriffe rund um die Kongresswahlen.

Was tun die Anbieter gegen Fake-News

Genaue Zahlen, wie viel Geld und Mitarbeiter*innen die großen Konzerne in die Fakenews-Bekämpfung investieren, sind nicht bekannt. Fest steht nur, dass bei US-Wahlen oder Wahlen in Europa mehr Ressourcen verwendet werden als bei Wahlen in Asien oder Afrika, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte.

Die Tech-Unternehmen arbeiten teils mit Fact-Checking-Organisationen zusammen und versehen fragwürdige Inhalte manchmal mit Warnlabeln. Auch die Algorithmen, die Content empfehlen, werden im Vorfeld von Wahlen oft angepasst. Nutzer*innen, die die Hausregeln verletzen, werden ausgeschossen.

Meta, die Mutterfirma von Insta und Facebook, hat außerdem bekanntgegeben, man habe das Wahlkommando-Zentrum wiederbelebt: Dort sitzen Mitarbeitende und versuchen in Echtzeit, Falschinfos rund um die Wahl von der Plattform zu löschen. Rund um die Kongresswahlen sollen laut Meta mehr als 40 Teams und hunderte Mitarbeiter*innen damit beschäftigt sein.

Ob das ausreicht, um angesichts von Millionen Posts mit der Kontrolle hinterherzukommen, bleibt eine große Frage. Genauso wie die, ob die hauseigenen Regeln wirksam genug sind. Nein, sagt etwa eine Studie, die kürzlich ebenfalls von der New York University veröffentlicht wurde. Sie wirft Meta, Twitter, TikTok und YouTube vor, Trumps unwahre Behauptungen über die gestohlenen Wahlen von 2020 wie ein Laufsprecher verstärkt zu haben. Ihre hauseigenen Regeln seien zum einen inkonsistent und würden zum anderen nicht stark genug durchgesetzt.


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